Gut Dickenrück
Artenvielfalt ist
Grundlage
des Lebens

Mit der 7. Klasse im Forstpraktikum

Pfingstmontag fuhr die 7. Klasse mit dem Bus 2 ½ Stunden nach Rotenburg an der Fulda, um auf dem landschaftlich wunderschön gelegenen Gut Dickenrück für 12 Tage ein Forstpraktikum zu absolvieren. Das Gut liegt direkt an einer Straße, die aber vom Gelände aus so gut wie gar nicht wahrgenommen wird. Das Gutshaus von 1707 bildet mit alten Stallungen einen Innenhof, der wunderschön bepflanzt ist und mit seiner Blütenpracht und plätscherndem Wasserlauf eine Oase bildet. Hier findet der Verkauf der Baumschule statt und deshalb ist dieser Innenhof für die Schüler tabu. In einem der alten Stallgebäude wurde eine Küche eingerichtet, in der relativ komfortabel für die Klasse gekocht werden kann. Daran anschließt der Aufenthaltsraum für die Klasse, der auch als Speise- und Unterrichtsraum fungiert. Wenn man den Raum an der hinteren Seite verlässt, gelangt man in ein Wiesenkarree, das an der einen Seite vom Holzverschlag und an der anderen Seite vom Gutsgarten, in dem auch die Hühner rumlaufen, begrenzt wird. Die Hühner statten auch schon mal der Schülerküche auf der Suche nach einem fetten Krümel einen Besuch ab, in dem Holzverschlag ist ein scheinbar endloser Vorrat für das täglich brennende Lagerfeuer, von dem aus man einen herrlichen Blick in die Landschaft hat. Leicht ansteigend biegt man um die Ecke, wo an der Rückseite des Stallgebäudes ein Toilettenwagen und ein Duschwagen für uns installiert waren. Weiter nach oben gelangt man zu zwei Foliengewächshäusern, in denen mit Teppichen und Betten, die wie eine Reise durch die Jahrzehnte aufgestellt waren, eine annähernd heimelige Atmosphäre herrschte. Die Mädchen bezogen ein Gewächshaus, die Jungen das andere. Gegenüber den Jungen schlug Herr Skuplik sein Zelt, neben den Mädchen Frau Metz ihr Zelt auf.

Nun herrschte in den Gewächshäusern  bei unserer Ankunft eine tropische Wärme, die zum Unmut der Mädchen großen Gefallen bei allerlei Getier fand. Erstaunlich, dass nach 1 – 2 Tagen die Unmutsäußerungen beim Anblick einer Raupe, einer Spinne oder einer Hummel ausblieben. Die Selbstverständlichkeit mit der alle Kinder bereits am zweiten Tage begannen, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren, war beeindruckend. Waren die ersten Nächte bewegt und nur durch Nachhilfe der Erwachsenen überhaupt mit kurzem Schlaf versehen, stellte sich schnell ein Rhythmus ein, in dem allabendlich ein Ritus zum Einschlafen entstand. Hervorzuheben ist an dieser Stelle die große Rücksichtnahme unter den Kindern auf das Schlafbedürfnis der anderen. Bei den Jungen gab es eher mal akustische und körperbetonte Turbulenzen, bei den Mädchen eher Störungen durch tränenreichen Kummer einer einzelnen, der schnell kollektiv geteilt wurde. Die Tage begannen, wenn zu Hause schon der Hauptunterricht lief, mit einem reichhaltigen Frühstück. Ab Mitte der ersten Woche immer mit warmer Milch, da die anfänglich warmen Temperaturen durch eine eher herbstlich anmutende Kühle abgelöst wurden.

 

Nachdem der Küchendienst den Abwasch erledigt hatte, erteilte Stefan Schmidt den Unterricht. Mit Morgenspruch und Tafel wurde deutlich, dass es ein Praktikum zum Lernen und keine Klassenfahrt zur Kurzweil war. Alle waren aber konzentriert bei der Sache. Das Ganze dauerte auch eine Stunde, dann ging es in die Arbeitsgruppen.  Laurens Schmidt arbeitete mit einem Drittel der Klasse in der Baumschule, Herr Skuplik mit dem Zweiten im Wald und das letzte Drittel mit Frau Metz in der Küche. Mittags traf man sich zum gemeinsamen Essen, dessen Menge mit Fortschreiten des Praktikums immer größer werden musste.  Nach einer Mittagspause wurde in einer zweiten Einheit gearbeitet und am Nachmittag wurde mit Kuchen der Feierabend eingeläutet.
Dann war Freizeit, die mit Pokerspiel, chillen, Briefe schreiben, Schatzsuchen oder Körperpflege ausgefüllt wurde. Nach dem Abendbrot wurden die unterbrochenen Aktivitäten fortgeführt, oder aber durch Nachtwanderung, Fete und gemeinsames fernsehgucken ergänzt. Am Wochenende brachte ein Besuch in Rotenburg Abwechslung, am Ende des Aufenthalts rundete das Hacken zwischen den Baumreihen mit Kaltblütern und einer anschließenden Kutschfahrt das Praktikum.

In diesen 12 Tagen gelangten die Kinder zu einer Sicherheit im Gelände, das auch den angrenzenden Wald einbezog. Am Ende wirkte die Klasse jünger, innerlicher und geordneter. Ein rhythmisches Ein- und Ausatmen durchzog die Gemeinschaft wohltuend. Das unmittelbare Leben in der Natur wirkte ausgleichend auf die anfangs hektischen Aktivitäten. Eine stille Zufriedenheit zog in die Klasse ein, ein freudiger Stolz, wenn ein Baum gefällt war, eine Reihe fertig bepflanzt, der Kuchen lecker aus dem Ofen kam. Die Mahlzeiten wurden immer gesitteter, der Umgangston höflicher. Klar gab es auch Pannen: jede Menge Hals-, Kopf- und Bauchschmerzen, die mit Tees kuriert wurden; kalte Füße, die Wärmflaschen benötigten; ein abgerutschtes Beil: der Schuh ist hin, der Fuß genäht; auch kurzfristig hohes Fieber. Auch Stimmungskrisen, als 5 Liter Milch unter den Kühlschrank flossen, alles in allem aber fand alles harmonisch ohne große Störungen statt.
Einiges an den Unterkünften wird sich zukünftig dort positiv verändern. Jeder Klasse ist dies Praktikum zu empfehlen. Zu diesem Zeitpunkt, zu dem die Kinder noch ein Teil Gruppenwesen sind, sich der Natur ganz staunend zuwenden können und die Kräfte zu sprießen beginnen. Wie ein Kontrapunkt zu dem äußeren Gebaren, das die Kinder jetzt in der Pubertät entwickeln, wird hier ein Same zu inniger Wahrnehmung in der Natur gelegt. Die Tätigkeit mit den Pflanzen stiftet sinnhaftes Erleben: ich bewirke und schaffe. In diesen 12 Tagen ist das Kohärenzgefühl der Kinder gewachsen! Nicht zuletzt wird dies durch die Begleitung und Anleitung der Familie Schmidt unterstützt, deren Idealismus im erlebten Engagement für den Dialog zwischen Kindern und Wald greifbar wird.

Frau Metz, Schülermutter und „Küchenfee“,

 Herr Skuplik, verantwortlicher Klassenleherer

Gut Dickenrück